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Wie viel Geld solltest du mit 30 haben? Ehrliche Zahlen statt Panik.

Die Faustregeln klingen streng: ein ganzes Jahresgehalt gespart bis 30. Die echten Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Und deine eigene Zahl findest du ganz ohne Vergleich.

Stand: 7. Juli 2026 Lesezeit: ca. 6 Minuten
Illustration: Goldener Weg mit Meilensteinen führt einen Hügel hinauf, am Anfang ein junger Baum

Woher der Druck kommt

Die bekannteste Faustregel stammt aus den USA: Mit 30 solltest du einmal dein Jahresgehalt gespart haben, mit 40 das Dreifache. Sie wurde für die Altersvorsorge im US-System entwickelt, in dem es kaum eine gesetzliche Rente gibt. In Deutschland zahlst du jeden Monat automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Deine Ausgangslage ist damit eine andere, und die Regel passt hier nur begrenzt. Trotzdem taucht sie in jedem zweiten Ratgeber auf und erzeugt ein schlechtes Gewissen, das dir beim Sparen kein Stück hilft.

Was Gleichaltrige wirklich haben

Die Deutsche Bundesbank misst regelmäßig, was Haushalte in Deutschland besitzen. Bei Haushalten unter 35 liegt das mittlere Nettovermögen bei rund 17.300 Euro, also Erspartes plus Besitz minus Schulden (Erhebung 2023). Das ist weit entfernt von einem ganzen Jahresgehalt.

Wichtig ist dabei das Wort Median: Das ist der Haushalt genau in der Mitte. Die eine Hälfte der Gleichaltrigen hat mehr, die andere Hälfte weniger. Der Durchschnitt wäre deutlich höher, weil ihn wenige sehr Vermögende nach oben ziehen. Wenn dich also das Gefühl beschleicht, alle anderen wären weiter: Die Mitte ist näher bei dir, als Social Media dich glauben lässt.

Warum dir der Vergleich wenig bringt

Ob du mit 30 viel oder wenig auf der Seite hast, hängt an Dingen, die sich zwischen zwei Menschen kaum vergleichen lassen: Studium oder Ausbildung, Großstadt-Miete oder Elternhaus, Berufseinstieg mit 19 oder mit 27, Kinder oder keine. Ein Vergleich mit fremden Kontoständen beantwortet deshalb die falsche Frage. Die richtige Frage lautet: Stimmt bei dir die Richtung?

Dafür brauchst du nur drei Punkte:

1. Steht dein Notgroschen? Ein Puffer auf dem Tagesgeld fängt kaputte Waschmaschinen, Autoreparaturen und Jobwechsel ab, ohne dass du an Erspartes oder in den teuren Dispo musst. Drei bis sechs Monatsausgaben sind der Startpunkt, deine persönliche Zahl hängt an deinem Alltag und kommt aus dem Notgroschen-Rechner unten.

2. Sparst du einen festen Anteil? Ein Dauerauftrag direkt nach dem Gehaltseingang, auch wenn er klein ist. Ein verbreiteter Richtwert sind 10 bis 20 Prozent vom Netto. Entscheidend ist der Automatismus, denn was automatisch passiert, hält durch.

3. Weißt du, wohin es langfristig geht? Wer früh anfängt, lässt den Zinseszins für sich arbeiten. Mit 30 hast du davon mehr als genug vor dir.

Der wichtigste Satz dieses Artikels

Mit 30 zählt weniger, wie viel auf dem Konto liegt. Es zählt, ob dein System steht: Notgroschen, fester Sparanteil, langfristige Richtung. Ein laufendes System holt jede Faustregel ein.

Rechne deine eigene Zahl aus

Statt dich an fremden Zahlen zu messen, kannst du in wenigen Minuten deine persönlichen Zahlen ausrechnen: Wie groß muss dein Notgroschen sein? Was wird aus deiner Sparrate in 10 Jahren? Und wann könntest du rechnerisch von deinem Ersparten leben? Genau dafür haben wir drei kostenlose Rechner gebaut.

Deine Fragen, kurz beantwortet

Wie viel Geld solltest du mit 30 gespart haben?

Es gibt keine Pflichtzahl. Der Median zeigt: Die Mitte der jungen Haushalte in Deutschland liegt weit unter den bekannten Faustregeln. Wichtiger als ein Zielbetrag ist, dass dein Notgroschen steht und du regelmäßig einen festen Anteil vom Netto sparst.

Wie viel solltest du im Monat sparen?

Ein verbreiteter Richtwert sind 10 bis 20 Prozent vom Netto. Entscheidend ist ein Anteil, den du dauerhaft durchhältst. 50 Euro jeden Monat schlagen 300 Euro, die du nach drei Monaten wieder aufgibst.

Ist es schlimm, mit 30 noch nichts gespart zu haben?

Du bist damit weniger allein, als die Faustregeln vermuten lassen. Studium, Ausbildung, Umzüge und hohe Mieten fressen in den Zwanzigern viel weg. Ab heute zählt die Richtung: Notgroschen aufbauen, dann einen festen Sparanteil einrichten. Zeit ist dein stärkster Hebel, und mit 30 hast du davon noch viel.

Wie viel Geld gehört aufs Girokonto?

Auf dem Girokonto reicht ein Puffer von etwa einem Monatsbedarf für Miete, Fixkosten und Alltag. Alles darüber verliert dort unverzinst an Kaufkraft. Dein Notgroschen gehört auf ein Tagesgeldkonto, wo er verzinst und trotzdem täglich verfügbar ist.

Quellen und Stand
  • Mittleres Nettovermögen von Haushalten unter 35 (rund 17.300 Euro): Deutsche Bundesbank, PHF-Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen", Erhebung 2023, Auswertung IW Köln, Stand Juli 2026
  • Faustregel „ein Jahresgehalt mit 30": verbreitete Altersvorsorge-Richtlinie aus den USA, dort für ein System ohne starke gesetzliche Rente entwickelt
  • Der Sparanteil von 10 bis 20 Prozent ist ein verbreiteter Richtwert und keine Regel; passend ist, was du dauerhaft durchhältst.
  • Stand: 7. Juli 2026. Dieser Artikel ist Bildungscontent und keine individuelle Finanz- oder Anlageberatung.
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